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Kautschuk und Latex aus Russischem Löwenzahn

Von der Wildpflanze zum nachwachsenden Industrierohstoff

Der Bedarf an Naturkautschuk wächst weltweit, weil es immer mehr Autos und LKWs gibt. Ein LKW-Reifen enthält bis zu 25 kg des nachwachsenden Gummis, das so hervorragende Eigenschaften hat, dass es durch künstlichen Kautschuk aus Erdöl nicht vollständig ersetzbar ist. Bislang gewinnt man den Naturkautschuk aus dem Milchsaft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis). Diese Bäume wachsen ausschließlich in den Tropen. Geschätzte 8,5 Millionen Hektar Anbaufläche zusätzlich bräuchte man bis zum Jahr 2024, würde man weiterhin nur diese eine Quelle nutzen. Und der zusätzlichen Anbaufläche fielen wahrscheinlich Regenwälder zum Opfer und mit ihnen wieder ein Stück Artenvielfalt. Um dies zu verhindern, ist die Suche nach Alternativen in vollem Gange.

Als heißer Kandidat gilt der Russische Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz). Die Pflanze wurde beispielsweise bereits im 20. Jahrhundert in der Sowjetunion angebaut und hat 1941 fast ein Drittel des sowjetischen Kautschukbedarfs gedeckt. Doch dann geriet sie zunehmend in Vergessenheit. Damit sie für die moderne Landwirtschaft und die industrielle Verarbeitung taugt, bedarf es allerdings noch züchterischer Arbeiten. Dem widmet sich jetzt der Verbund ‚Takowind II‘ aus Forschung und Industrie, darunter Reifenhersteller Continental. Ziel ist es u.a., den Kautschukgehalt in der Pflanze auf mindestens 10 Prozent zu steigern. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt das Projekt über die FNR. Es sieht die Pflanze als künftigen Lieferant für Industrierohstoffe – neben Kautschuk wird auch Latex erzeugt -, als neue Einkommensquelle für Landwirte und als Bereicherung der Anbauvielfalt auf den heimischen Äckern.

Aber das sind noch nicht alle Vorteile: „Diese relativ anspruchslosen Pflanzen können unter vielfältigen Bedingungen wachsen. Sie bringen schon im ersten bis zweiten Jahr Ertrag und nicht, wie der Kautschukbaum, erst nach fünf bis acht Jahren. Der Anbau in Mitteleuropa, also die Plantage am Reifenwerk, spart Transportwege und wir können uns etwas von den Preisschwankungen am Weltmarkt entkoppeln“, erklärt Carla Recker, Leiterin der Löwenzahnaktivitäten bei Continental. Bis 2021 will Continetal 35 Millionen Euro in das sogenannte „Taraxagum Lab“ in Anklam investieren. Dort soll die Nutzung der Pflanze weiter voran gebracht werden, rund 20 neue Arbeitsplätze könnten entstehen.

Über Naturkautschuk

Naturkautschuk ist ein sehr elastisches Biopolymer, dessen exzellente technische Eigenschaften bislang von erdölbasierten Synthesekautschuken nicht erreicht werden. Für 2015 wird ein Verbrauch von rund 13 Mio. Tonnen erwartet, der nach Prognosen bis 2024 auf 18 Mio. Tonnen jährlich steigen soll; 70 Prozent davon gehen in die Reifenindustrie.

2011 besaß der globale Markt für Naturkautschuk ein Volumen von rund 20 Milliarden US$.

Die wichtigste Quelle für Naturkautschuk und -latex ist der Kautschukbaum Hevea brasiliensis mit Erträgen von 500 bis 1.500 kg pro Hektar. Dieser Baum wächst nur in einem engen geographischen Gürtel um den Äquator; seine Kultivierung erfordert hohe Niederschlagsmengen und hohe Temperaturen. Die bis 2024 zusätzlich benötigten Anbauflächen von Hevea brasiliensis werden auf 4,3 – 8,5 Millionen ha geschätzt. Sie liegen in Gebieten mit derzeit überwiegend tropischem Regenwald in Südostasien und Südwestchina.

T. koksaghyz wurde bereits im 20. Jahrhundert intensiv als mögliche Kautschukquelle erforscht und von Erträgen bis zu 150 kg pro Jahr und Hektar wurde berichtet. Gegenwärtig ist diese Art als alternative Kautschukquelle national und international wieder in den Fokus der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gerückt.

 

Die einzelnen Teilvorhaben im Verbund „Züchtung, Anbau und Verwertung von russischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) – Weiterentwicklung einer Wildpflanze zum nachwachsenden Industrierohstoff (TAKOWIND II)“:

22024015 Züchtung
ESKUSA GMBH 

22008916 Fortpflanzungs-Mechanismen bei Taraxacum koksaghyz
Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU)

22009116 Optimierung agronomischer Maßnahmen und Monitoring des invasiven Potentials beim Anbau von Russischem Löwenzahn
Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) - SB

22009216 Entwicklung molekularer Marker und genetische Kartierung relevanter Merkmale für innovative Züchtungsstrategien
Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) - ZL

22009416 Vermehrung und Polyploidisierung
hortilab – Labor für pflanzliche Gewebekultur

22009516 Analyse von Kautschukproben und -mischungen sowie des Alterungsverhaltens
Continental Reifen Deutschland GmbH

22009616 Lagerung, Extraktion und Aufkonzentration der Rohlatices
Universität Regensburg

22009716 Verfahrenskette Latexextraktion
Synthomer Deutschland GmbH

 

Vorarbeiten für TAKOWIND II liefen im Projekt „Züchtung und Anbau von Kaukasischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) - Von der Wildpflanze zum nachwachsenden Industrierohstoff (TAKOWIND)“:

22002112 Züchtung
ESKUSA GmbH

22002212 Molekulare und physikochemische Analyse
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

22002312 Genetische Analyse und markergestützte Selektion
Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)

22002412 Metabolitanalyse
numares AG

22002512 Vermehrung und Polyploidisierung
hortilab

Taraxagum Autoreifen